„Wer sind Sie und was haben Sie mit Hertha BSC gemacht?“ so lautet die Frage an Stefan Leitl nach dem Spiel gegen Heidenheim. Allerdings gehört auch dazu, dass der Spielerkader einen mentalen Umbruch durchgemacht hat. Führungsspieler sind gegangen, weitere Talente der Akademie rückten zu den Profis auf und bilden den neuen Kern der Mannschaft. Die dadurch neugeborene Mentalität lässt sich nur so erklären: weniger Egos und Schlüsselspieler, dafür ein echtes Mannschaftsgefühl wo jeder jeden hilft.
Für die Fanromantik möchte ich die Statistik erweitern: die Hertha ist seit der Sommerpause ungeschlagen! Das sind ganze elf Spiele. Selbst beim Bundesligisten, den 1. FC Köln, hat man durch Moral und Durchhaltevermögen das 2:2 erkämpft. Eine Mentalität, die letzte Saison noch fast unmöglich gewirkt hätte. Wenn im Spiel die Köpfe hängen, hat Kapitän Reese die Spieler angestachelt. Allerdings wurde er dann immer wieder in Szene gesetzt und das Spiel um ihn herum aufgebaut. Jetzt ist jeder Spieler ein Fabian Reese – und das neue Teamgefühl spüren alle. Der Ball rollt durch die Reihen, man presst hoch auf den Gegner und erzwingt sich Torchancen. Einen Fußballstil, den die Fans sehen wollen.

Ein wiederholendes Ereignis?
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Hertha in der letzten Saison 2025/2026 eine starke Siegesserie hingelegt hat. Aus 12 Ligaspielen wurde nur eines verloren (Heimspiel gegen 1. FC Magdeburg, Endstand 0:2) und im DFB-Pokal schoss man den späteren Aufsteiger SV Elversberg mit 3:0 aus dem Wettbewerb. Das unvergessene 6:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern ist sicherlich auch noch vielen Herthanern im Kopf.

Umso unbegreiflicher ist es, wie der Aufstieg verspielt wurde. Hatte man anfangs noch gegen Schalke 04 und Elversberg Punkte liegen lassen, so wurden diese zwar mit Beginn der Rückrunde zurückerobert (Schalke 0:0, Elversberg verlor mit 3:0), jedoch bildete sich so der Grundstein für deren Aufstieg und den Abstand zur nun doch später aufrückenden Hertha.
Die Statistik besagt, dass wenn Hertha BSC so eine Siegesserie zu Beginn einer Saison der 2. Bundesliga hinlegt, dass diese dann auch tatsächlich den Aufstieg in die 1. Bundesliga schafft. Tabellarisch stehen sie schließlich momentan mit 12 Punkten aus 4 Spielen (somit die volle Ausbeute) an der Spitze. Sicherlich unerwartet befindet sich kein VfL Wolfsburg auf Tabellenplatz 2 (4. Platz), sondern der 1. FC Nürnberg. Trotzdem fand selbiges Szenario bereits in der letzten Saison mit Hannover 96 statt; sie wurden am letzten Spieltag Vierter mit zwei Punkten Abstand zu Platz 3.
Die nächsten Aufgaben lauten VfL Osnabrück, SG Dynamo Dresden und SpVgg Greuther Fürth. Schaut man das vergangene Spiel gegen Magdeburg an, dann wird es kein Selbstläufer. Zu oft entstehen die Gegentore durch individuelle Fehler. Diese Anfälligkeit muss sich wegtrainieren, damit die Chance für den Wiederaufstieg erhalten bleibt. Zusätzlich geschwächt hat sich das Team von Stefan Leitl aufgrund zwei Feldverweisen: Deyo Zeefuik ließ sich zu einer Tätlichkeit hinreißen und Paul Seguin kam mit seiner Grätsche zu spät und kassierte die zweite Gelbe. Die Dominanz der Mannschaft lässt sich erkennen, jedoch nur beim vollständigen Kader. Zwischenzeitlich hat sich Adewumi einen Namen als Jokertorschütze gemacht und verbucht aktuell drei Tore – genau so wie Herthas neuer Kapitän Josip Brekalo.
Bleibt zu hoffen, dass Hertha BSC die Ausdauer besitzt und die Leistung bis zum Saisonende (und natürlich darüber hinaus) durchhält. Den Startschuss für eine erfolgreiche Saison wurde bereits in Bochum gesetzt.
Beim nächsten Spiel fehlt Paul Seguin aufgrund einer Rotsperre für ein Spiel. Er ist im Mittelfeld der Dreh- und Angelpunkt, was die Einleitung von Angriffen angeht. Pascal Klemens als seinen wahrscheinlichen Ersatz hat in dieser Saison als Wechselspieler bereits bewiesen, dass er der Aufgabe genauso gewachsen ist. Er bekommt seine Chance, sich zu beweisen.
HAHOHE
Chris
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